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Eine smarte Stadt für die Bevölkerung schaffen – mithilfe von smarter Politik

Rund 250 Fachpersonen und Führungskräfte aus der Energiebranche, Behörden, Politik und Unternehmen tauschten am 2. Schweizerischen Stadtwerkekongress Erfahrungen und Erkenntnisse zum «Leben in der smarten Stadt» aus.

«Eine intelligente Stadt ist nicht selbst intelligent, sondern hilft ihren Bürgerinnen und Bürgern, intelligenter zu werden!» Mit dieser Erkenntnis setzte der Publizist und Philosoph Matthias Zehnder ein Ausrufezeichen ans Ende des 2. Schweizerischen Stadtwerkekongresses vom 29. März im Stade de Suisse. Was das «Leben in der smarten Stadt» ausmacht und wer diese gestaltet, damit beschäftigten sich zuvor diverse Referenten aus verschiedenen Perspektiven. Mit rund 250 Teilnehmenden war der Kongress wie bereits bei seiner ersten Durchführung vor zwei Jahren sehr gut besucht.

Überzogene Erwartungen hinter uns lassen

Marcel Buffat, UVEK
Marcel Buffat, UVEK

Die Erwartungen an die «Smart City» sind so umfassend wie divers. «Wir haben den Gipfel der überzogenen Erwartungen überschritten und sind auf dem Weg ins Tal der Enttäuschung», sagte Marcel Buffat, Koordinator Mobilität und Digitalisierung im Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Es sei wichtig, jetzt realistische Erwartungen zu formulieren. Dazu müssten die Rollen der verschiedenen Akteure im neuen Markt geklärt werden: «Wer liefert welche Daten? Wer stellt sicher, dass Daten verlässlich sind? Wer profitiert?» Smarte Lösungen müssten sich an den Problemen der Menschen orientieren und echten Mehrwert schaffen, damit sie Erfolg hätten.

«Es braucht stets ein Business-Modell»

Der Mehrwert für die Menschen ist das eine, der Mehrwert für die Wirtschaft das andere. Das stellte Tiina Kähö klar, Executive Director der Smart&Clean Foundation aus Helsinki. Die finnische Hauptstadt gehört zu den erfolgreichsten Vorreiterinnen der smarten Stadt. Doch das funktioniere nur, weil hinter jeder Massnahme auch ein Business-Modell stecke, betonte Kähö. Gleichzeitig würden in Helsinki nur Massnahmen umgesetzt, die einen realen Impact für die Bürgerinnen und Bürger hätten.

Nicht in jeder Stadt von vorn beginnen

Die wichtige Bedeutung funktionierender Business-Modelle betonte auch der Smart City Manager von Carouge, Laurent Horvath. Unternehmen bräuchten Lösungen, die wiederverwendbar und damit skalierbar seien. Deshalb sei es auch wenig zielführend, wenn jede Stadt wieder von vorne beginne. Stattdessen sollten sich die Städte miteinander vernetzen und auf bestehenden Lösungen aufbauen. Entscheidend sei vor allem die Interoperabilität der Daten. Seine Vision sei ein «Single Point of Access» für die Bürger für alle Dienstleistungen. «Wenn ich morgen Skifahren gehe, starte ich zuerst die SBB-App, dann die Meteo-App und dann noch die Webseite des Skigebiets», sagte er. «Das Ziel muss doch sein, dass ich alle nötigen Informationen auf einer einzigen Plattform finde.»

Über bestehende Silos hinweg

Kooperation und Vernetzung der Akteure bezeichnete auch Daniel Schafer, CEO von Energie Wasser Bern, als Schlüssel zum Erfolg. Es brauche Partnerschaften über die bestehenden Silos hinweg. Energie Wasser Bern hat dies mit einer «Ideation Journey» umgesetzt, an der neben dem Stadtwerk auch die lokalen Mobilitätsanbieter Bernmobil, BLS, die Stadtverwaltung sowie CSL Behring als grosses Unternehmen beteiligt waren.

Regulatorische Hürden verteuern Speicher

Prof. Dr. Michael Sterner von der OTH Regensburg.
Prof. Dr. Michael Sterner von der OTH Regensburg.

Das Denken in Silos stelle auch in der Politik ein Hindernis dar, sagte Michael Sterner, Professor für Energiespeicher an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg. Die Energiewende brauche Speicher, doch das grösste Hindernis für intelligente Speicherlösungen seien derzeit regulatorische Hürden. So sei die Power-to-Gas-Technologie die effizienteste und kostengünstigste Lösung für die Langzeitspeicherung erneuerbarer Energie, doch durch die Belastung von Netzentgelten und Abgaben werde sie derzeit verhindert. In Deutschland etwa gelte die Maxime «Netze first», auch wenn sich jetzt schon abzeichne, dass dies nicht funktioniere.

Intelligente Stadt braucht intelligente Politik

Nicht nur für Power-to-Gas, auch für virtuelle Speicherlösungen, wie sie etwa die IWB kennen, bestehen regulatorische Hürden. VSE-Direktor Michael Frank richtete denn auch einen Appell an die Politik, intelligente und innovative Lösungen nicht durch Regulierung zu verunmöglichen. Eine intelligente Stadt braucht also nicht nur Daten, vernetzte Akteure, Kooperation innerhalb und zwischen den Städten, Business-Modelle und analoge und digitale Dienstleistungen, sondern auch intelligente Politik. Und bei all dem soll stets der Mehrwert für die Bürger im Mittelpunkt stehen. Oder wie es der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried formulierte: «Die Bürger sollen mitbestimmen. Sie müssen von Betroffenen zu Beteiligten werden.»

Ausprobieren und darüber sprechen!

Die Stadtwerke sind gemäss Marcel Buffat vom UVEK prädestiniert dafür, eine zentrale Rolle in diesem Gefüge einzunehmen. «Sie sind in den Haushalten und bei den Unternehmen präsent und sind eng verknüpft mit der Stadtverwaltung.» Und er schloss mit einem Appell: «Machen Sie, probieren Sie aus und sprechen Sie darüber!»

2. Schweizerischer Stadtwerkekongress

29. März 2019, Stade de Suisse, Bern

Trägerschaft

Swisspower, Verband der Schweizerischen Gasindustrie VSG, Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmne, Schweizerischer Städteverband, Schweizerischer Verband Kommunale Infrastruktur SVKI

Premiumsponsoren

Energie Wasser Bern, Gasverbund Mittelland

Eventsponsoren

Swisscom, Hivemind, Siemens Thüga, Bundesamt für Energie, AEE Suisse, swisscleantech