Swisspower | Digitaler Stadtwerkekongress 2021: Wir blicken zurück

Digitaler Stadtwerkekongress 2021: Wir blicken zurück

Im März durften wir den Stadtwerkekongress auf die digitale Bühne bringen: In Form von fünf online-Sessions nahmen wir gemeinsam mit den Trägerorganisationen des Stadtwerkekongresses das Thema «Stadtwerke im Umbruch» in Angriff. Expertinnen und Experten aus Politik, Branche und Wissenschaft diskutierten über die Städte als Hauptakteure der Energiewende sowie der Klimapolitik und beantworteten Fragen der Zuschauer. Wir nehmen die wichtigsten Aussagen nochmals auf.

Montag

Den Auftakt zum digitalen Stadtwerkekongress machte die AEE Suisse gemeinsam mit Swisspower. Matthias Finger, Ronny Kaufmann, Stefan Batzli und Uwe Kolks diskutierten über die Chancen & Risiken der Energiewende für die Energieversorger. Ihre Kernaussage: Die Ausgangslage ist kritisch mit einem ausserordentlich volatilen gesetzlichen Umfeld und einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Dazu kommt, dass die globale Aufmerksamkeit auf die Pandemie gerichtet ist – zulasten der Klima- und Energiewende. Prof. Finger brachte die Herausforderung auf den Punkt: «Die Situation ist nicht gut. Die Energiewende wird immer dringender, die Zeit wird immer knapper, der Druck wird immer grösser.»

Ronny Kaufmann plädierte für ein effizienteres und haushälterisches Verhalten jedes Einzelnen und verlangte nach einem Fokus auf die Kälte-/Wärmversorgung und das Transportwesen. Stefan Batzli setzte «politische Rahmenbedingungen, die Investitionen richtig anreizen und Engagement für die Akzeptanz der Energiewende» in der breiten Bevölkerung für das Gelingen der Energiewende voraus. Die Ansprüche der Energiewende machen sich aber auch über die Nachfrage der Kunden an die Energiebranche bemerkbar; «Kunden treiben den Markt», meinte Dr. Kolks diesbezüglich.

Dienstag

Adrian Borgula, Andrea de Meuron, Reto Dettli und Reto Nause unterhielten sich in der Session des Schweizerischen Städteverbands SSV am Dienstag über die Eignerstrategien und politischen Herausforderungen auf dem Weg zur erneuerbaren Energieversorgung.

Reto Dettli startete die Session mit einem theoretischen Unterbau zu den Eignerstrategien der Stadtwerke und den damit verbundenen Herausforderungen, gefolgt von einigen Praxisbeispielen hierzu. Dettli stellte fest, dass «im aktuellen Wandel der Energieversorgung sich die Eigentümer/innen zu wenig um ihr Unternehmen kümmern».

Daraufhin gaben Andrea de Meuron, Reto Nause und Adrian Borgula einen Einblick in die Eignerstrategien der Städte Thun, Bern und Luzern.

Mittwoch

Am dritten Tag des digitalen Stadtwerkekongresses organisierte der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE für das Westschweizer Publikum eine Diskussionsrunde mit vorangehenden Referaten von Eric Plan, François Vuille und Gilles Garazi.

Die Referierenden betonten die Dringlichkeit und den anstehenden Handlungsbedarf, blieben jedoch eher optimistisch. «Man spricht immer vom Ziel, aber man muss einen Weg finden um sich ihm anzunähern», mahnte Gilles Garazi, und ging dann auf die Rollen der einzelnen Akteure in der Energiewende ein.

Donnerstag

Adrian Märklin und Roman Häuptli gaben uns am Donnerstag im Auftrag des Schweizerischen Verbands Kommunale Infrastruktur SVKI einen Einblick in die Schwachstellen der kritischen Infrastrukturen, Netze und Systeme.

«Die Mitarbeitenden sind ein wichtiges Glied in der Cybersecurity», so Roman Häuptli. Es gilt, jeweils die Mitarbeitenden und deren Verhalten bei der Konzeption einer Cybersecurity-Strategie zu bedenken. Eine effektive Strategie verlange die Sensibilisierung und das Engagement aller Mitarbeitenden. Die Spitze des Unternehmens müsse zudem ein starkes Interesse an Cybersecurity-Themen zeigen, denn «am Ende steht der CEO bei einer Cyberattacke in der Zeitung – nicht der IT-Verantwortliche», warnte Märklin. Einen 100% Schutz gebe es allerdings nie.

Freitag

Zuletzt bescherte uns der Verein der Schweizerischen Gasindustrie VSG einen Einblick in die Zukunft der Gasindustrie und ihre Rolle in der Energiewende. Eingeladen wurde dafür der Wiener Albrecht Wagner, der aus der Perspektive des Nachbarlandes berichtete, und Thomas Justus Schmidt vom Paul-Scherrer-Institut. VSG-Direktorin Daniela Decurtins leitete die Diskussionsrunde.

Präsentiert wurden unter anderem die Ergebnisse zweier Studien. Eine beschreibt ein Volkswirtschaftlich-optimiertes Energiesystem für die Schweiz im Jahr 2050, und die andere stellt die verschiedenen Wege in eine dekarbonisierte Schweiz dar. Wie wir dorthin gelangen, hängt von vielen Faktoren ab. Schmidt erinnerte das Publikum daran, dass internationale Kooperationen entscheidend seien für den Erfolg der nötigen Anstrengungen: «Kein einziges Land dieser Welt wird fähig sein, die Energiewende allein zu schaffen. Es braucht rechtzeitig, nicht erst 2040, entsprechende Abkommen.» Als Stärke der Schweiz auf dem Pfad zur Dekarbonisierung sah Albrecht Wagner die technologische Vielfalt.