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10 Jahre Swisspower Renewables AG: Die Erfolgsgeschichte geht weiter

Von einem Neuling im Markt hat sie sich zum international respektierten Player entwickelt: 2022 feiert die Swisspower Renewables AG ihr 10-jähriges Bestehen. Ein Gespräch mit CEO Felix Meier über unvergessliche Vertragsabschlüsse, die neue Strategie «2+3» und die langsame Schweizer Politik.

Wenn Sie auf die letzten zehn Jahre der Swisspower Renewables AG zurückblicken: Welche Erlebnisse oder Meilensteine sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Felix Meier: Ich erinnere mich gut an ein besonderes Erlebnis kurz vor Weihnachten 2013. Damals konnten unser COO Lars Hieke und ich zwei Transaktionen praktisch gleichzeitig unterschreiben. Das Signing für die erste in Frankfurt begann um 15 Uhr und endete am nächsten Morgen um 3 Uhr. Bereits um 8 Uhr ging dann der Flieger nach Berlin, wo die Unterzeichnung für die zweite Transaktion stattfand. So schlossen wir in kürzester Zeit Projekte mit einem Volumen von rund 230 Millionen Euro ab – ein riesiger Meilenstein für das junge Unternehmen.

Wie hat sich die Swisspower Renewables AG in den letzten zehn Jahren entwickelt?

Von einem Mitarbeiter auf 60 Mitarbeitende und von null auf 650 Gigawattstunden Jahresproduktion. Rund 125 Windturbinen und 40 Wasserkraftwerke haben wir akquiriert. Viele Betriebsarbeiten dafür sind inzwischen internalisiert. Etwa zwei Drittel der Wasserkraftwerke betreiben wir selbst, erledigen Wartung und Instandhaltung. Wir sind heute also ein industrieller Investor. Das unterscheidet uns von anderen Marktteilnehmern, die in erster Linie Geld auf den Tisch legen und warten, bis es mit Dividende zurückkommt. Weiter haben wir uns in den letzten zehn Jahren laufend optimiert und konsolidiert. Bei jeder Transaktion übernahmen wir einzelne Anlagen, spezifische Finanzierungen und teilweise auch Mitarbeitende. Es ist uns gelungen, vieles davon zu harmonisieren. Mehrmals konnten wir Finanzierungen zusammenfassen und refinanzieren. So legten wir deutlich an Effizienz zu.

Haben Sie die bei der Gründung gesteckten Ziele erreicht?

Was die Produktionsmenge betrifft, haben wir das Ziel zu gut 90% erreicht. Wir investierten alle Mittel, die uns zur Verfügung standen. Die Rendite hängt natürlich stark vom Wetter und vom Markt ab. Aber auch hier sind wir laut dem neusten Business Case auf Kurs. Betrachtet man das «Big Picture», haben wir die gesteckten Ziele also erreicht.

«Das bedeutet einen grossen Schritt für uns, zumal der Solarmarkt wieder ein unterschiedliches Business ist.»

Welche Neuerungen stehen als Nächstes an?

Der Verwaltungsrat hat zwei wichtige Neuerungen beschlossen. Erstens setzen wir neben Windenergie und Wasserkraft mit der Photovoltaik auf eine dritte Technologie. Das bedeutet einen grossen Schritt für uns, zumal der Solarmarkt wieder ein unterschiedliches Business ist. Wir freuen uns, diese Herausforderung anzupacken. Zweitens dürfen wir Projekte seit Neuem selbst entwickeln, anstatt nur solche zu übernehmen, die bereits baureif oder in Betrieb sind. Dafür bauen wir nun die Organisation und die Kompetenzen auf, gerade im Hinblick auf die zusätzliche Technologie Photovoltaik. Das gibt uns für die kommenden zehn Jahre einen starken neuen Impuls.

Wo werden Sie in die Photovoltaik investieren?

Bisher verfolgten wir die Strategie «2+2»: zwei Länder und zwei Technologien. Die zwei Länder – Deutschland und Italien – behalten wir bei. Denn weitere Länder zu erschliessen, bedeutet einen grossen zeitlichen und finanziellen Aufwand. Dafür fehlen uns vor allem die Management-Kapazitäten. Deutschland und Italien hingegen kennen wir inzwischen bestens. Hier verfügen wir über ein gutes Netzwerk und sind schnell unterwegs. Deshalb heisst unsere neue Strategie «2+3». Die drei Technologien bilden eine ideale Kombination: Wenn die Sonne scheint, produzieren wir viel Solarstrom. Wenn es lange regnet, laufen unsere Wasserkraftwerke auf Hochtouren. Und bei wechselhaftem Wetter ist es meist windig – gut für unsere Windturbinen.

Warum ist es nach wie vor einfacher, im Ausland in erneuerbare Energien zu investieren als in der Schweiz?

Die Schweizer Politik redet seit Jahren über den Ausbau der erneuerbaren Energien, über Erleichterungen bei der Projektentwicklung, über weniger Einspracherechte. Doch leider bleibt es beim Reden. Wir befinden uns immer noch auf dem Stand, den unsere Nachbarländer vor 20 bis 30 Jahren hatten. Sie sprachen damals auch von Veränderungen, setzten sie dann aber um. Solange sich die Rahmenbedingungen in der Schweiz nicht grundlegend ändern, gibt es hier kaum neue Projekte und es bildet sich kein Markt. Dafür bestehen zu viele Hindernisse. Wir prüften schon mehrmals Projekte in der Schweiz. Doch auf die wenigen, die zustande kommen, stürzen sich jeweils etliche Marktteilnehmer. Dadurch schiesst der Preis in die Höhe und eine vernünftige Rendite wird unmöglich.

Was bedeuten die derzeit hohen Stromhandelspreise für Ihr Unternehmen?

Innert eines Jahres haben sich die Preise im Spotmarkt und teilweise auch im Terminmarkt vervielfacht. Die Volatilität und die Nervosität im Markt sind sehr hoch. Was sich dabei zeigt: Zeitweise liegen die Schweizer Preise inzwischen sogar höher als jene in Italien. Wer eigene Produktionsanlagen im Ausland hat, könnte bald in Betracht ziehen, Strom ins Hochpreisland Schweiz zu importieren. Das ist nicht nur finanziell interessant, sondern auch physikalisch. Hier sind wir mit unserer Strategie also genau auf dem richtigen Weg. Diese Hochpreis-Phase ist zwar nicht nur Segen. Es gibt auch einige Firmen, für die sie ein grosses Problem bedeutet. Für uns mit einer natürlichen Long-Position ist sie aber sicher ein Vorteil.