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IWB: Pionierprojekt für mehr Biodiversität unterhalb Stromtrasse

In Kleinlützel/SO startet ein schweizweit einzigartiges Projekt für mehr Biodiversität unter Hochspannungsleitungen: Mit ökologischen Aufwertungen unterhalb der Stromtrasse Bassecourt-Binningen schaffen IWB und Pro Natura Lebensräume und Rückzugsgebiete für seltene und bedrohte Arten und bilden überlebenswichtige Vernetzungsachsen.

Der Ansatz mag auf den ersten Blick erstaunen: Bis zum Beginn der Brut- und Setzzeit im April 2022 erfolgt bei einem Ersteingriff Holzschlag sowie ein grossflächiges Entbuschen. Die Arbeiten sind nötig: «Ein Problem für die Biodiversität sind homogene und geschlossene Hochwaldbestände, die vor allem der Nutz- und Wertholzproduktion dienen. Deshalb nehmen wir die Gelegenheit wahr und schaffen im Mittleren Brandel entlang der Stromversorgung gestufte und lichte innere Waldränder und insgesamt mehr Entwicklungsraum und lichte Waldstrukturen, von denen Orchideen, Tagfalter oder Reptilien profitieren», erläutert Gerhard Walser, verantwortlicher Revierförster.

Vernetzung von Tieren und Pflanzen fördern

Das erste gemeinsame Biodiversitätsprojekt von IWB und Pro Natura Baselland bei Kleinlützel soll einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität entlang des Lützeltals leisten. Die Massnahmen werden im Gebiet Mittlerer Brandel zwischen Kleinlützel und Röschenz umgesetzt. Um den Mittleren Brandel befinden sich schon jetzt artenreiche Flächen, auf welchen durch eine fehlende Vernetzung isolierte Populationen vorkommen. Für viele Tier- und Pflanzenarten ist jedoch eine gute genetische Durchmischung und ein Vorkommen in regional vernetzten Populationen überlebenswichtig. Hier setzt das Projekt an: es schafft auf einer Fläche von rund 20'000 Quadratmetern neue Vernetzungsachsen für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Hohe Biodiversität auf begrenzter Fläche

Geplant sind die Schaffung von Krautstreifen, Strauchgürteln, buchtigen und gestuften Waldrändern, lichte Waldflächen mit besonnten Felsen und Kleinstrukturen wie Ast- und Steinhaufen. Zusätzlich sollen in einem feuchten Abschnitt zwei Tümpel angelegt werden und in deren Umgebung Weiden und Pappeln gefördert werden. «Die enge Verzahnung und das kleinräumige Mosaik von Lebensräumen, welches hier entsteht, ist für viele Arten besonders günstig» ist Thomas Fabbro, Co-Geschäftsführer von Pro Natura Baselland, überzeugt.

Seltene Arten brauchen Platz

Unter Stromleitungen muss der Wald kurzgehalten werden, damit Bäume die Leitungen nicht berühren. Bisher wurde daher Bäume und Sträucher nach einer Wachstumsphase von rund zehn Jahren jeweils komplett zurückgeschnitten. Dies förderte schnellwüchsige Baum- und Straucharten, die sich gut regenerieren können. Zukünftig wird der Bewuchs selektiv und kontinuierlich gepflegt – mit einem besonderen Augenmerk für wertvolle einheimische und seltene Arten.

30 Hektare in 10 Jahren

Mit dem Projekt erreicht IWB einen wichtigen Meilenstein zum selbst gesetzten Ziel, bis 2030 über 30 Hektare zusätzliche naturnahe Flächen zu schaffen. Das Beispiel zeigt, dass sich eine sichere Energieversorgung mit erneuerbarem Strom und Biodiversitätsförderung nicht ausschliessen. Weitere gemeinsame Projekte mit Pro Natura Baselland sind in Vorbereitung.

Umfassende Unterstützung

Neben Pro Natura und IWB fördern der Swisslos-Fonds Solothurn, die Hermann und Elisabeth Walder-Bachmann Stiftung, die Sophie und Karl Binding-Stiftung sowie die Stiftung Spitzenflühli das Projekt. Auch die Bürgergemeinde Kleinlützel als Waldeigentümer steht hinter dem Projekt.