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Die Lösungen der Services industriels de Lausanne, um ihre Wärmenetze zu dekarbonisieren

Gemäss ihrem Klimaplan will die Stadt Lausanne bis 2050 das Null-CO2-Ziel erreichen. Daher haben die Services industriels de Lausanne (SiL) eine Strategie entwickelt, um ihre Wärmenetze zu dekarbonisieren.

Die in Lausanne verbrauchte Wärme wird heute durch Fernwärme (ca. 25%), Gasenergie (ca. 40%) und Heizöl (ca. 35%) abgedeckt. Um die CO2-Emissionen zu senken, sind verschiedene Massnahmen geplant: Das Fernwärmenetz soll ausgebaut und ab 2035 auf 100% erneuerbare Wärme umgestellt werden. Diese Wärme entsteht unter anderem aus Abwärme der KVA TRIDEL und der ARA. Im Jahr 2050 werden 75 bis 80% der Haushalte ans Fernwärmenetz angebunden sein. Das Gasnetz will die Stadt Lausanne verkleinern und auf Gas mit niedrigen CO2-Emissionen umstellen. Heizöl als Energieträger soll komplett ersetzt werden.

Für die Strategie zur Dekarbonisierung der Wärmenetze wurden zahlreiche Daten berücksichtigt: Zustand der bestehenden Gebäude, technologische Lösungen, Finanzierung, technische Daten, Topografie, Entwicklung der Lausanner Bevölkerung und Renovierung der Bausubstanz gemäss den Annahmen, die dem Klimaplan der Stadt Lausanne zugrunde liegen.

100% erneuerbare Fernwärme

Um das Fernwärmenetz künftig mit 100% erneuerbarer Energie zu versorgen, wollen die SiL auf folgende natürlich vorhandene Energieträger setzen:

  • Energie des Seewassers und des gereinigten Abwassers der ARA werden mit Wärmepumpen auf das benötigte Temperaturniveau gebracht. Die Wärmepumpen werden mit 100% erneuerbarem Strom betrieben;
  • Holz aus lokalen und regionalen Wäldern wird in Holzschnitzelheizungen oder durch Holzvergasung verwertet. Ein erstes Vergasungskraftwerk wird in Epalinges im Rahmen eines Kooperationsprojekts realisiert;
  • Die mitteltiefe Geothermie soll entwickelt werden – beginnend mit Bohrungen im Westen, wo das geologische Explorationsziel weniger tief liegt;

Hinzu kommt die thermische Solarenergie, komplementär zu den Anschlüssen an das Gasnetz.

Parallel dazu wird die Temperatur der bestehenden Fernwärmenetze um etwa 50°C gesenkt, was die Wärmeverluste um rund 30% reduziert.

CO2-arme Gasversorgung

Für drei Arten von Verbrauchern ist es wichtig, das Gasnetz in Lausanne zu erhalten: für die Fernwärmeversorgung als Redundanz und zum Abdecken von Lastspitzen im Winter, für Industriekunden, die Gasenergie für ihre Prozesse verwenden, und für Gebäude in dünn besiedelten Gebieten, die über keine Alternativen verfügen. Dabei soll auch die Gasversorgung in Richtung Netto-null direkte CO2-Emissionen entwickelt werden.

Für die Redundanz und die Spitzenlastdeckung bei der Fernwärmeversorgung wollen die SiL künftig ausschliesslich Biogas verwenden – lokales und importiertes. Zudem sollen Wasserstoff und synthetisches Methan aus erneuerbarem Strom (Power-to-Gas) genutzt werden. Ihre Einführung erfolgt wahrscheinlich zwischen 2040 und 2050 oder auch früher, wenn die technologische Entwicklung dies zu angemessenen Kosten zulässt.

Contracting-Lösungen anbieten

Gebäude, die weder an das Fernwärme- noch an das Gasnetz angeschlossen sind, sollen klimafreundliche Einzelheizungen erhalten – vor allem Wärmepumpen, die mit erneuerbarem Strom betrieben werden. Solche Heizsysteme wollen die SiL als Contracting-Lösung anbieten: Das Swisspower-Stadtwerk baut, betreibt und finanziert die Anlagen und bleibt ihr Eigentümer. Die Hauseigentümerinnen und -eigentümer müssen somit keine Investition tätigen und werden von der Verantwortung für das Heizsystem entlastet.

Finanzierung

Die Strategie der SiL ermöglicht es, die direkten CO2-Emissionen bis 2050 um 96% zu reduzieren. Die verbleibende graue Energie, die mit der neuen Wärmeerzeugung verbunden ist, wird durch Systeme zur CO2-Abscheidung und -Speicherung kompensiert. Diese Technologien befinden sich derzeit noch in der Entwicklung und dürften vor 2050 ausgereift sein.

Die Dekarbonisierung der Wärmenetze wird allerdings erhebliche Investitionen in der Grössenordnung von 1,1 Milliarden Franken über 30 Jahre erfordern: etwa 900 Millionen Franken für die Entwicklung der lokalen erneuerbaren Wärmeproduktion und 200 Millionen Franken für Erneuerung und Ausbau des Fernwärmenetzes.

Die Investitionen werden zum Teil durch eine Erhöhung der Wärmepreise finanziert. Dank der schrittweisen Einführung, basierend auf einer Vergemeinschaftung der Kosten, wird diese Erhöhung für die Haushalte jedoch tragbar sein. Zudem liegt die Erhöhung unter dem für die nächsten 30 Jahre erwarteten Preisanstieg für fossile Brennstoffe. Diese Investitionen bringen auch neue Erträge aus der Fernwärme mit sich, die den gegenwärtigen Gasenergie-Einnahmen entsprechen. Damit wird ein Beitrag an einen langfristig ausgeglichenen Gemeindehaushalt geleistet.