Elektromobilität: Welche Herausforderungen sie mit sich bringt

Elektromobilität ist definitiv im Trend, sei es in Form von E-Bikes, Elektrorollern oder den Automodellen von Tesla, Audi, Mercedes & Co. Auch die TBW verfügt in ihrem Fahrzeugpark über zwei Elektrofahrzeuge, welche sie für kurze Distanzen von bis zu 100 Kilometern nutzt.

Original-Bericht vom Magazin CONTACT der Technischen Betriebe Weinfelden AG

Während in vielen Köpfen bereits ein Umdenken stattfindet, ist eben diese Reichweite für viele Autofahrer noch das grosse «Aber». Zu sehr hat man sich in den letzten Jahrzehnten an komfortable Reichweiten von bis zu 800 Kilometern gewöhnt, als dass man sich nun vor Abfahrt den Kopf darüber zerbrechen möchte, wie weit man mit dem Elektrofahrzeug überhaupt kommt. Diesem Problem wollen die Automobilhersteller entgegenwirken: Bereits heute arbeiten sie daran, dass elektrisch betriebene Fahrzeuge bald Distanzen von bis zu 450 Kilometern pro Ladegang zurücklegen können. 50 Tankstellen für 142 Autos In Weinfelden sind 23 Personenwagen auf den Strassen unterwegs, die nur mit Strom betrieben werden. Daneben gibt es 119 weitere Autos, die zusätzlich noch mit Diesel (14), Benzin (98) oder einem Reichweitenverlängerer (7) unterstützt werden. Bei Letzterem handelt es sich in der Regel um einen Verbrennungsmotor, der einen Generator antreibt, welcher wiederum Akku und Elektromotor mit Strom versorgt. Für all diese Elektrofahrzeuge stehen im Kanton Thurgau rund 50 «Tankstellen» zur Verfügung. Dabei handelt es sich um öffentliche Steckdosen in Parkhäusern oder Autogaragen, zum Teil aber auch um Ladestationen von Privatpersonen, welche ihre Station unter gewissen Bedingungen frei zugänglich machen.  So gibt es eine Familie, bei der man kostenlos das Elektrofahrzeug aufladen kann, wenn man ein Grusskärtchen im Briefkasten hinterlässt.

«Sollte in Zukunft womöglich die Hälfte aller Automobilisten auf Elektroautos setzen, ist nicht nur die Gemeinde Weinfelden, sondern die ganze Schweiz vor eine echte Herausforderung gestellt.»

Adrian Gremlich, Kundendienst-Verantwortlicher bei der TBW

       

Ein modernes Elektroauto verbraucht im Schnitt etwa 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Geht man davon aus, dass ein Auto pro Jahr etwa 10’000 Kilometer zurücklegt, liegt der Strombedarf für das Elektroauto bei rund 2’000 Kilowattstunden. Dies entspricht fast der Hälfte des Jahresverbrauchs einer vierköpfigen Familie in einem Einfamilienhaus. Oder eine andere Vergleichsgrösse: Steht auf dem Dach eines Einfamilienhauses eine Photovoltaik-Anlage, wird rund ein Drittel des produzierten Stroms für das Aufladen des Elektrofahrzeugs gebraucht. Sollte in Zukunft womöglich die Hälfte aller Automobilisten auf Elektroautos setzen, ist nicht nur die Stadt Weinfelden, sondern die ganze Schweiz vor eine echte Herausforderung gestellt.

«Der Strombedarf wird in Zukunft grundsätzlich steigen; einerseits wegen des Bevölkerungswachstums, andererseits weil die Leute immer mehr Geräte nutzen, die aufgeladen werden müssen», weiss Adrian Gremlich, Kundendienst-Verantwortlicher für die Elektrizität bei der TBW.

Die Nachfrage nach Elektromobilität steigt. Mit ihr steigt auch der Strombedarf, um die Fahrzeuge aufzuladen.

Herausforderungen gemeinsam angehen

Eine weitere Herausforderung ist auch das antizyklische Verhalten von sonnenbetriebener Stromproduktion und dem Aufladen der Fahrzeuge. «Wir gehen davon aus, dass sich Solarenergie in Privathaushalten durchsetzen wird», erläutert Adrian Gremlich. Während die Photovoltaik-Anlage tagsüber Strom produziert, wird das Auto jedoch abends oder über Nacht aufgeladen, da es während dieser Zeit nicht genutzt wird. «Also wird das Speichern von Sonnenenergie auch immer wichtiger», resümiert Adrian Gremlich. Um dem steigenden Bedarf begegnen zu können, braucht es nicht nur ein Engagement der Netzbetreiber oder Elektrizitätswerke. Auch die Politik wird sich mit weiteren Verordnungen und Gesetzen auseinandersetzen müssen, um erneuerbare Energien zu fördern und die Bevölkerung zu einem energieeffizienteren Verhalten zu motivieren. Es ist wichtig, sich dieser kommenden Herausforderungen bewusst zu sein. 

Aber keine Angst – noch ist es kein Problem, den Strombedarf der 119 Elektrofahrzeuge in Weinfelden zu decken.