Swisspower | «Immer mehr Absatz ist nicht unser Ziel»

«Immer mehr Absatz ist nicht unser Ziel»

Energieeffizienz ist ein Schlüssel für die Energiewende. Die Services Industriels de Genève (SIG) engagieren sich dafür seit über zehn Jahren mit dem Energiesparprogramm «éco21». Generaldirektor Christian Brunier erklärt im Interview, warum die SIG profitieren, wenn ihre Kundinnen und Kunden weniger Energie verbrauchen.

Im Jahr 2019 hat das Energiesparprogramm «éco21» der SIG ein Rekordresultat erzielt. Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?

Christian Brunier: Dieses Rekordergebnis verdanken wir dem Engagement aller beteiligten Akteure: den Unternehmen und den Privathaushalten, aber auch dem Immobiliensektor und den Partnerorganisationen. Dank der gemeinsamen Anstrengungen ist es uns 2019 gelungen, 26 GWh Strom einzusparen – das entspricht dem Verbrauch von mehr als 8’600 Genfer Haushalten. Seit der Lancierung des Energiesparprogramms im Jahr 2007 bis heute konnte der Kanton Genf insgesamt 205 GWh Strom einsparen, was dem Durchschnittsverbrauch von 68’000 Haushalten entspricht. Auf dieses Ergebnis sind wir sehr stolz, und wir motivieren die Bevölkerung, die Unternehmen, die Gemeinden und unsere Partnerorganisationen, noch mehr Energie einzusparen.

Christian Brunier, CEO Services industriels de Genève (Bild: Keystone - Gaetan Bally)
Christian Brunier, CEO Services industriels de Genève (Bild: Keystone - Gaetan Bally)
«Unsere Wettbewerber unterbieten sich gegenseitig mit ihren Preisen. Viel nachhaltiger ist es aber, sich beim Energieverbrauch gegenseitig zu unterbieten.»

Welche Massnahmen leisten den grössten Beitrag an die Energieeinsparung?

Es ist wichtig zu wissen, dass jede Handlung – ob gross oder klein – ihren Teil zur Beschleunigung der Energiewende beiträgt. Der Ersatz herkömmlicher Leuchtmittel durch LEDs, ein effizienteres Belüftungssystem, die Wahl der sparsamsten Wärmepumpe sind Beispiele hierfür. Es gibt viele Lösungen, die nur darauf warten, umgesetzt zu werden. Die Verantwortung liegt bei uns allen. Es gibt finanzielle Unterstützung, ebenso Beratungsgespräche und massgeschneiderte Schulungen. Die SIG haben zusammen mit der Genfer Regierung eine interaktive Webplattform lanciert, um Interessierten den Zugang zu diesen Förder- und Unterstützungsmassnahmen zu erleichtern und den Dialog zu fördern.

Warum profitieren die SIG als Energieversorger, wenn die Kundinnen und Kunden immer weniger Energie verbrauchen?

Es ist nicht unser Ziel, immer mehr Absatz zu generieren. Wir wollen vielmehr eine sichere Energieversorgung gewährleisten, dies im Einklang mit den Zielen für die nachhaltige Entwicklung und mit unserer Mission als Energiedienstleister. Spitäler bewerben ja auch nicht den Alkohol- und Tabakkonsum, damit die Patientenzahlen steigen. Wird weniger Energie verbraucht, müssen wir auch weniger auf den bisweilen volatilen Märkten zukaufen. Ein tieferer Energieverbrauch ist somit auch für uns vorteilhaft, und wir leisten damit unseren Beitrag zum Netto-Null-Ziel, das der Bund bis 2050 erreichen will. Unsere Wettbewerber unterbieten sich gegenseitig mit ihren Preisen. Viel nachhaltiger ist es aber, sich beim Energieverbrauch gegenseitig zu unterbieten – für unseren Planeten, aber auch für das Portemonnaie unserer Kundinnen und Kunden. Die beste und billigste Energie ist jene, die wir nicht verbrauchen!

Der Kanton Genf ist vom Coronavirus besonders stark betroffen. Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf die SIG?

Die SIG verfügen über einen Krisenmanagementplan (Crisis Management Plan) und einen Betriebskontinuitätsplan (Business Continuity Plan). Diese enthalten für jeden Geschäftsbereich Massnahmen zur Eindämmung und Lösung sämtlicher Problemfälle, welche die Aufrechterhaltung unseres laufenden Betriebs gefährden könnten. So kommen derzeit verschiedene Massnahmen zum Einsatz. Betriebliche Abläufe, die absolut notwendig sind, werden vor Ort durch unsere Teams ausgeführt und überwacht. Die Teammitglieder arbeiten im Rotationsverfahren oder sind auf verschiedene Arbeitspositionen mit genügend Abstand verteilt. Mitarbeitende, die Kontakt haben zu externen Personen, etwa Chauffeure oder technisches Personal auf Baustellen, verfügen über das notwendige Schutzmaterial. Da wir die Zahl der Mitarbeitenden in den Betrieben vor Ort begrenzen, sind die persönlichen Kontakte weitestgehend reduziert.

Mitarbeitende in administrativen Funktionen oder nicht betriebskritischen Jobs arbeiten alle im Homeoffice. Schon vor einigen Jahren waren die SIG Vorreiter und haben die Telearbeit eingeführt, was uns jetzt sehr zugute gekommen ist. Lassen Sie mich das anhand einer Zahl verdeutlichen: Während der ersten Coronawelle haben gleichzeitig mehr als tausend SIG-Mitarbeitende ihre Arbeit im Homeoffice ausgeführt – das hat technisch alles bestens funktioniert.