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«Grossbritannien und die Schweiz können voneinander lernen»

Was haben die Schweiz und Grossbritannien gemeinsam? Unter anderem sind beide Länder führend in Innovation, Forschung und Entwicklung im Bereich Energie und Klima, sagt Jane Owen, die britische Botschafterin in Bern. Vor der internationalen Klimakonferenz COP26 will die britische Botschaft deshalb den Austausch mit der Schweiz vertiefen.

Warum organisiert die britische Botschaft gemeinsam mit Swisspower die Konferenz «Decarbonising Cities»?

Jane Owen: Wir möchten den Erfahrungsaustausch zwischen Grossbritannien und der Schweiz in diesem Thema fördern. Dabei geht es nicht nur um Technologien, sondern darum, wie wir mit einer «grünen Revolution» neue Jobs schaffen und eine emissionsarme Lebensweise erreichen können. Die Finanzwelt ist für das Erreichen des Netto-Null-Ziels ebenso ausschlaggebend wie technische Innovationen. Deshalb müssen wir grüne Investitionsmöglichkeiten schaffen, um die Städte zu dekarbonisieren. Diese Frage werden wir ebenso diskutieren wie Energie-Innovationen, intelligente Mobilität, die Digitalisierung städtischer Einrichtungen und den Einsatz von Wasserstoff für nachhaltige Städte. Zudem werden vielversprechende neue Technologien aus Grossbritannien und der Schweiz vorgestellt – all das in einem spannenden Hybrid-Format mit Teilnehmenden vor Ort und online.

Welches Ziel hat sich Grossbritannien als Gastgeber der UNO-Klimakonferenz COP26 gesetzt?

Bereits im Vorfeld der Konferenz, die im November in Glasgow stattfinden wird, arbeiten wir mit anderen Ländern zusammen, um weltweit ambitioniertere Klimaziele zu erwirken. COP26 muss unbedingt erfolgreich sein, wenn wir die im Übereinkommen von Paris festgeschriebenen Ziele erreichen und die weltweiten Emissionen reduzieren wollen. Der UNO-Weltklimarat IPCC stellt in seinem Bericht vom August fest, dass die globale Erwärmung noch schneller voranschreitet als zuvor angenommen. Wenn wir nicht sofort handeln, könnte die Erwärmung um 1,5 °C schon in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren Tatsache sein. Der Bericht zeigt, dass der Klimawandel bereits heute jede Region unseres Planeten betrifft. Deshalb ist jedes einzelne Land aufgerufen, sich am Kampf gegen die Klimakrise zu beteiligen.

Jane Owen, britische Botschafterin in Bern
Jane Owen, britische Botschafterin in Bern
«Die Finanzwelt ist für das Netto-Null-Ziel ebenso ausschlaggebend wie technische Innovationen.»

Wo steht denn Grossbritannien auf dem Weg zur Klimaneutralität?

Grossbritannien ist international führend mit seinen Klimazielen und geht mit der Verpflichtung, die Emissionen bis 2030 um mindestens 68 Prozent zu senken, als Vorbild voran. Ende 2020 stellte Premierminister Boris Johnson einen ehrgeizigen Zehn-Punkte-Plan für eine grüne Industrierevolution vor, der saubere Energien, den Verkehr, die Natur und innovative Technologien umfasst. Bereits heute produzieren wir mehr Offshore-Windenergie als alle anderen Länder, und die Regierung hat vor, die Offshore-Windleistung bis 2030 auf 40 GW zu vervierfachen. Auch haben wir uns dazu verpflichtet, über die nächsten fünf Jahre unseren finanziellen Beitrag für den internationalen Klimaschutz zu verdoppeln, um jene Gesellschaften zu unterstützen, die am meisten vom Klimawandel betroffen sind.

Gibt es Ansätze aus Grossbritannien, die sich auch in der Schweiz bewähren könnten?

Ich nenne einige Beispiele unserer Strategien für nachhaltige Städte: Im Juli haben wir einen ambitionierten Plan zur Dekarbonisierung des Verkehrs veröffentlicht, der die Entwicklung hin zur Netto-Null-Mobilität aufzeigt. Zudem wollen wir bei der CO2-Speicherung weltweit eine Führungsrolle einnehmen und planen zurzeit die erste Stadt, die bis Ende des Jahrzehnts vollumfänglich mit Energie aus Wasserstoff versorgt werden soll.

Wie kann Grossbritannien umgekehrt von der Zusammenarbeit mit der Schweiz profitieren?

Grossbritannien und die Schweiz sind sehr erfolgreich in Innovation, Forschung und Entwicklung. Punkto neuer Technologien und Planung der Energiewende können wir voneinander lernen. Als Nummer eins im Global Innovation Index und Standort eines wichtigen Finanzzentrums sowie vieler internationaler Organisationen in Genf ist die Schweiz für uns ein wichtiger Partner im Klimaschutz.

Gleichzeitig könnte die Schweiz mit ihren wunderschönen Naturlandschaften stärker vom Klimawandel betroffen sein als andere Gebiete. Einige Forscher schätzen, dass die weltweite Erwärmung um 1 °C in den alpinen Gletscherregionen einen Temperaturanstieg um 2 °C bedeutet. Die harte Realität des Klimawandels dürfte sich in der Schweiz deshalb in den nächsten Jahren noch stärker bemerkbar machen.

Seitens der britischen Botschaft hoffen wir, unser Verständnis für beide dieser Fragen an der «Decarbonising Cities»-Konferenz vertiefen zu können und zu erfahren, wie wir am besten voneinander lernen.

Auf welches Highlight der Konferenz freuen Sie sich besonders?

Es wird durchs Band eine enorm spannende Veranstaltung, von den Referaten führender Klimaexperten aus Grossbritannien und der Schweiz über die Firmenpräsentationen bis hin zu den Breakout Sessions zu den Themen Smart Cities, neue Technologien und grüne Finanzwirtschaft. Die Konferenz soll den Startschuss geben zu einer längerfristigen Partnerschaft zwischen den Regierungen, den Unternehmen sowie den akademischen Einrichtungen und Forschungsinstituten unserer beiden Länder. Einige britische und Schweizer Studierende werden zudem an einem Hackathon zwei Tage lang mit kreativem Denken, Design und Datenverarbeitung an Challenges rund um Energie, Städte und Mobilität arbeiten.

Ich bin gespannt auf die Präsentation innovativer Technologien, die frisch auf den Markt kommen. Doch besonders freue ich mich darauf, neue Netzwerke und Beziehungen zwischen Grossbritannien und der Schweiz zu knüpfen.