Wo Stromversorgung auf nachhaltiges Bauen trifft

Im Wöschnauring Nord entsteht derzeit ein Bauwerk, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt und doch ein Zeichen setzt. Eniwa realisiert dort eine Transformatorenstation in Holzbauweise. Es ist nach heutigem Stand die erste ihrer Art im Kanton Aargau.

Was sonst meist aus Beton besteht, zeigt sich hier in Holz. Damit geht Eniwa bewusst neue Wege im Netzausbau und verbindet Versorgungssicherheit mit Klimaverantwortung. Trafostationen sind zentrale Knotenpunkte im Stromnetz. Sie transformieren die elektrische Spannung zuverlässig auf das benötigte Niveau, damit Strom sicher und effizient genutzt werden kann.

Die neue Station besteht aus Brettsperrholz aus Fichtenholz. Der im Holz enthaltene Kohlenstoff wurde während des Baumwachstums der Atmosphäre entzogen und bleibt während der Nutzungsdauer im Bauteil gespeichert. Vergleichsrechnungen zeigen, dass Holz-Hybridstationen während der Herstellungsphase weniger Treibhausgasemissionen verursachen als konventionelle Betonstationen. Die Bauteile sind zudem so konzipiert, dass sie am Ende ihrer Nutzungsdauer getrennt und möglichst wiederverwendet werden können. Damit werden Aspekte der Kreislaufwirtschaft bereits bei der Planung berücksichtigt.

Bewährte Sicherheit, neue Materialien

Beton und Stahl galten lange als gesetzt, wenn es um Trafostationen ging. Heute zeigen geprüfte Konstruktionen, dass auch Holz höchste Anforderungen erfüllt. Sicherheit und Brandschutz sind vollumfänglich gewährleistet. Gleichzeitig bringt die Bauweise praktische Vorteile: Das geringere Gewicht vereinfacht Transport und Montage. Anpassungen oder Erweiterungen lassen sich flexibler umsetzen. Auch Reparaturen an der Fassade können gezielt erfolgen, ohne das ganze Bauwerk zu ersetzen. Der technische Innenausbau mit Transformatoren, Mittel- und Niederspannungsanlagen sowie Überwachungskomponenten wird durch die Netzmonteure von Eniwa ausgeführt – mit derselben Sorgfalt und denselben Qualitätsstandards wie bei jeder anderen Station.

Bereit für morgen

Die Station ist für maximal zwei Transformatoren mit je 1 250 kVA ausgelegt. Zum Start kommt ein Transformator mit 630 kVA zum Einsatz. Dieser verwendet ein Isoliermedium auf Sojabasis und Materialien mit verbessertem CO2-Footprint. «Eniwa plant Trafostationen grundsätzlich mit Reserven für künftige Leistungsbedarfe. So bleibt das Netz flexibel und bereit für neue Anforderungen wie etwa durch Elektromobilität, Wärmepumpen oder den Ausbau erneuerbarer Energien», sagt Eniwa CEO Hans-Kaspar Scherrer.

Wissenswert

Regionale Fertigung und Engineering-Kompetenz

Die Arbeitsvorbereitung und Fertigung der Stationshülle erfolgen bei der Holzbau Dawen GmbH in Saarburg, Deutschland. Das Engineering und die Planung wurden massgeblich durch das Team Anlagenmanagement von Eniwa mitentwickelt, um die Ausführung gemäss Eniwa-Standard sicherzustellen. Das eingesetzte Holz stammt aus der Region Saarburg und wird dort regional verarbeitet. Kurze Transportwege tragen zusätzlich zu einer verbesserten ökologischen Bilanz bei.

Hitze und Holz

Bei 35 °C Aussenluft und voller Sonneneinstrahlung kann eine direkt besonnte 10 cm Stahlbetonwand innen überschlägig über 50 °C erreichen. Bei dunkler Ausführung kann sich dieser Effekt weiter verstärken; je nach Farbton und Oberfläche sind rechnerisch Werte Richtung 60 °C möglich. Die KAMBI-Wand aus 10 cm Brettsperrholz mit hinterlüfteter Holzfassade bleibt im gleichen Szenario grob bei 36 °C. Der Grund: Die Sonne trifft zuerst auf eine offene Lattenfassade mit 4 cm breiten Holzlatten und 1 cm Abstand. Wärme wird in der Hinterlüftung abgeführt; der Rest trifft auf Brettsperrholz, das Wärme deutlich schlechter leitet als Beton.