energate: Herr Kaufmann, wie ist der aktuelle Projektstand von Parsenn Solar? Ursprünglich rechneten die Projektanten ja bis Ende 2024 mit der Baubewilligung…
Kaufmann: Die Baubewilligungsunterlagen wurden nach einer Überarbeitung im März 2025 erneut eingereicht. Die Baubewilligung erwarten wir diesen Sommer. Als Konsequenz ist eine Realisierung von zehn Prozent der PV-Anlage bis Ende 2025 nicht möglich. Entsprechend begrüssten wir die Lockerung der terminlichen Vorgaben für den Solarexpress. Umso überraschender war es, drei Wochen nach der parlamentarischen Schlussabstimmung diese Vernehmlassungsvorlage zu sehen.
energate: Was würde die angedachte Förderobergrenze für die weitere Planung von Parsenn Solar bedeuten?
Kaufmann: Dieses Vorgehen verursacht grosse Planungsunsicherheit für die Projektpartner. Die Förderobergrenze verteuert das Projekt erheblich. Vor allem aber werden mit dem Vorgehen die Spielregeln während des Spiels geändert, was das Vertrauen in die Fördermechanismen des Bundes beeinträchtigt. Störend dabei ist nicht zuletzt, dass der Bund die Verantwortung für die Versorgungssicherheit bei der Branche verortet, es jedoch nicht vermag, mit verlässlichen Rahmenbedingungen für Planungssicherheit zu sorgen.
energate: Droht Parsenn Solar deshalb womöglich gar das Aus?
Kaufmann: Die Wirtschaftlichkeit alpiner Grosssolaranlagen ist herausfordernd. Auch wenn die Senkung der Investitionsbeiträge nicht zustande käme, würde dieses Projekt keinen Rentabilitätspreis gewinnen: Es trägt dafür zur Versorgungssicherheit bei und womöglich erweisen sich die gesammelten Erfahrungen im Hochgebirge dereinst als nützlich.
Der mit der Verordnungsänderung einhergehende Anstieg der Stromgestehungskosten übersteigt jedoch sowohl den Handlungsspielraum der Projektträgerschaft als auch allfälliger zukünftiger Investoren. Die Realisierung des Projekts würde daher trotz hoher Zustimmung aus der lokalen Bevölkerung und grossem Interesse der Standortgemeinde Davos aus wirtschaftlichen Gründen erheblich erschwert, wenn nicht gar verunmöglicht. An der Winterstromlücke ändert sich derweil nichts.
energate: Wie steht es um andere alpine PV-Projekte?
Kaufmann: Nach unseren Informationen geht es anderen Projekten ähnlich. Der Vertrauensschaden ist gross: Zahlreiche Energieversorger haben mit der Entwicklung alpiner Solaranlagen ein hohes unternehmerisches Risiko auf sich genommen und jedes für sich Pionierarbeit im hochalpinen Gelände geleistet, um die Versorgungssicherheit der Schweiz zu stärken. Sie sind damit ihrem Auftrag aus der Politik nachgekommen.
energate: Einige argumentieren, der bisherige Fördermechanismus habe "nur bedingt" für Kosteneffizienz bei alpinen PV-Projekten gesorgt. Wie steht Swisspower dazu?
Kaufmann: Der Solarexpress entstand unter Zeitdruck während der Energiekrise. Sein Ziel ist es, die Winterstromlücke zu schliessen. Mit dem aktuellen gesetzlichen Setup wird das nicht gelingen. Jetzt können wir entweder eine anachronistische Debatte über neue Atomkraftwerke führen, die niemand in der Branche bauen würde, oder der Gesetzgeber geht über die Bücher und setzt Rahmenbedingungen, die mehr Winterstromproduktion auch tatsächlich ermöglichen.
Das Interview wurde durch Marcel Jud, Redaktor bei energate, geführt.